Amnesty International Gruppe 1180

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22.03.2015

Vier Metropolen für ein Dorf

Menschenrechte im Westjordanland: internationale Kooperation für Nabi Saleh

Nabi Saleh, ein 550-Seelen-Dorf nahe Ramallah in den besetzten palästinensischen Gebieten. Die Liste der Menschenrechtsverletzungen durch die israelischen Sicherheitskräfte ist lang: willkürliche Verhaftungen, Einschränkung der Meinungs-, Rede-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit, Verletzung des Rechts auf angemessene Unterkunft, ungesetzliche Tötung, unfaire Gerichtsverfahren und Gewalt gegen Frauen.


Bassem Tamimi aus Nabi Saleh mit Munition der israelischen Truppen, gesammelt in seinem Dorf
Jede Woche ziehen die Bewohner los, um (großteils) gewaltfrei gegen die israelische Besatzung und die Siedlungsexpansion zu demonstrieren. Die israelischen Sicherheitskräfte begegnen den Demonstrationen oft mit unnötiger, exzessiver Gewalt: Gummigeschosse und Tränengaskartuschen gegen Menschenrechtsverteidiger.

Was als Protest gegen die Besetzung der Al-Qaws-Quelle durch israelische Siedler begann, mündet jeden Freitag in Demonstrationen für die Menschenrechte von Palästinensern. Doch Erfolg sieht anders aus. Zwei Tote seit 2009, Hunderte Menschen wurden verletzt – und der Zugang zur Quelle ist mittlerweile allen Palästinensern verboten.

In diesem Jahr nutzte die Berliner Amnesty-Gruppe Israel und Palästina den Weltwassertag am 22. März dazu, die Unterstützung für die Menschen in Nabi Saleh zu verstärken. Und zwar durch weltweite Vernetzung. Unser Ziel: das Engagement auf eine neue Ebene heben, um für größere Schlagkraft und mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu sorgen.

Ein Konzept für eine gemeinsame Aktion an Orten in verschiedenen Ländern machte den Anfang: Brunnen sollten symbolisch gesperrt, Passanten informiert und Unterschriften gesammelt werden. Das Konzept wurde an mehrere Sektionen versandt, und schon fanden sich vier Städte für ein Dorf. Vier Metropolen für ein Dorf: Berlin, Madrid, Las Vegas und München. Die belgische Sektion beteiligte sich online. Gemeinsam sammelten wir mehrere tausend Unterschriften.

Die von den Gruppen gestalteten viersprachigen Postkarten wurden Bürgern zum Unterschreiben vorgelegt und anschließend von allen Orten gleichzeitig an Israels Verteidigungsminister geschickt. Zusätzlich wurden Bundestagsabgeordnete und Europaparlamentarier angeschrieben, um ihnen dieses Engagement ins Bewusstsein zu rufen.

Künftig wollen die Gruppen ihre Zusammenarbeit gegen Menschenrechtsverletzungen in Nabi Saleh ausbauen – aus Lund in Südschweden ist bereits Unterstützung zugesagt. Auf diese Weise kann den Verantwortlichen in Israel verdeutlicht werden, dass ihr Vorgehen an vielen Orten der Welt auf Kritik stößt.

Zuletzt ein Aufruf und eine Ermunterung an alle Gruppen von ehrenamtlich Aktiven, egal zu welchem Thema oder zu welcher Region: Vernetzt euch! Auch international ist dies kein Hexenwerk, mit ein wenig Kreativität und Nachdruck können auf unbürokratische Weise leicht Kontakte aufgebaut werden. Viele Gruppen tun dies sicherlich längst. Aber denen, die es noch nicht versucht haben, sagen wir: Es lohnt sich!

Für alle, die darauf brennen sich gegen Menschenrechtsverletzungen in Israel und Palästina einzusetzen, steht die Tür zu unseren Gruppentreffen jederzeit offen. Bei Interesse an einer ehrenamtlichen Gruppenarbeit oder der Thematik meldet euch bei uns - amnesty1180@gmx.de

Prokop Bowtromiuk und Karla Prigge