Amnesty International Gruppe 1180

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Gruppe 1180

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AKTIVITÄTEN DER GRUPPE 1180 IM JAHRE 2008

LÄNDERSCHWERPUNKT: ISRAEL/BESETZTE GEBIETE, ALGERIEN

2008 beteiligten sich konstant um die 10 Mitglieder aktiv an diversen Projekten. Janel Galva-nek als Gruppensprecherin koordinierte weiterhin mit großem Einsatz die geplanten Aktionen. Teresa Künle stand uns noch kurz vor der Geburt ihres Sohnes im Dezember mit Rat und Tat zur Seite. Wir freuen uns über ihr Mutterglück und werden sie in diesem Jahr sehr vermissen. Bei unserer ersten Gruppensitzung im Januar 2008 beschlossen wir die Planung nachstehen-der Projekte und ihre Ausführung:

1. Betreuung eines „Individual at risk“.

Ein „Individual at risk“ ist eine Amnesty International (AI) bekannte Person, an der gera-de Menschenrechtsverletzungen verübt werden und für die sich AI-Mitglieder persönlich einsetzen. Wir entschieden uns für den Fall des palästinensischen Ehepaares Nura und Mohammad al-Hashlamon, die aufgrund einer Haftanordnung der Israelischen Militärfüh-rung in – nach internationalem Recht illegaler – Administrativhaft gefangen gehalten wurden, Nura seit Herbst 2006, Mohammad seit Herbst 2005. Administrativhaft ist Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren. Der Fall beschäftigte uns bedauerlicherweise fast bis zum Ende des Jahres, da die Haft vom Militärrichter immer wieder verlängert wurde. Wir sammelten für das Ehepaar bis zu ihrer Freilassung (Nura am 1.9.08 und Mohammad am 17.12.08) auf diversen Veranstaltungen Unterschriften, verteilten Informationsmaterial und sandten ihnen regelmäßig ermutigende Postkarten und Briefe. Zu unserer Freude be-dankte sich Mohammad al-Hashlamon noch aus dem Gefängnis heraus mit einem Brief an ein Gruppenmitglied für unseren Beistand.

2. Aktionen bei der Berlinale

Bei der Berlinale eigneten sich der Film „Lemon Tree“ für unser Thema sowie der Film „Maria“, ein israelischer Beitrag der „2. Internationalen Short Film Competition“. An vier Tagen trotzten Mitglieder unserer Gruppe der Kälte, sammelten Unterschriften für diverse Petitionen, verteilten abzuschickende Briefe und leisteten dazu Aufklärungsarbeit.

3. Standarbeit beim „KiezInternational“

Das Kiezfest 48 Stunden Neukölln fiel auf das Wochenende des 21./22. Juni. Da der 20.6. „Tag der Flüchtlinge“ ist, informierten wir über die Geschichte von Flucht und Vertrei-bung der palästinensischen Bevölkerung seit 1948 sowie über aktuelle Vertreibungen der Bewohner der Beduinendörfer Hadidyia und Humsa in der Westbankregion Jordantal durch Häuserzerstörungen der israelischen Armee. In einer Unterschriftsaktion forderten wir die Verantwortlichen der Militärführung auf, die Zerstörungsbefehle und die Ein-schränkungen für die Bewohner aufzuheben. Wir baten die Unterzeichner unserer Petitio-nen gleichzeitig, sich auf zwei Fußbällen (aus fairem Handel) zu verewigen, die wir den Schülern einer von Zerstörung bedrohten Schule in dem Dorf Fasayil im Jordantal zu-kommen lassen wollten. Übergeben wurden die Bälle von einem Mitglied der politischen Abteilung des deutschen Vertretungsbüros in Ramallah, der unsere Informationen über die Lage in den Besetzten Gebieten bestätigte und uns in unserer Arbeit bestärkte. Wir sam-melten 204 Unterschriften an einem Tag.

4. Unterstützung des Konzerts „Stimmen für Verständigung und Menschenrechte in Israel/Palästina“ am 10. Oktober

Unser Gruppenmitglied Christine Raiser-Süchting musiziert seit 1999 in dem Musiken-semble Berliner KlezMischpoche, das sich der Klezmermusik verschrieben hat. Alle En-semblemitglieder engagieren sich für Frieden und Menschenrechte, so dass bei einem Treffen mit dem israelischen Musiker und Kriegsdienstverweigerer Ofer Golani die Idee eines gemeinsamen Konzerts entstand. Christine Raiser-Süchting redigierte gemeinsam mit einem Mitglied der Internationale der Kriegsdienstgegner/innen das Begleitheft „Zur Situation der Kriegsdienstverweigerung in Israel“. Unsere Gruppe beteiligte sich an den Kosten der Broschüre. Wir sammelten unter den Konzertbesucher/innen Unterschriften unter eine Petition für die Freilassung inhaftierter israelischer Kriegsdienstverweigerer und für die Einrichtung eines zivilen Ersatzdienstes in Israel.

5. Unterstützung der Fotoausstellung „Sumud – Schönheit, Würde und Entschlos-senheit - Bilder aus Palästina“ / Lesung: „Stimmen der Beharrlichkeit – Bewah-rung der Menschenwürde unter Besatzung“ im November 2008

Im Rahmen des „Monats der Fotografie“ zeigte der australische Fotograf James Prineas im Haus der Demokratie unter dem Motto „Sumud“ Bilder mit Motiven palästinensischer Menschen und Landschaften sowie der „Sicherheitsanlage“/Mauer. Intensive Gruppendis-kussionen führten zu der Idee, im Rahmen dieser Fotoausstellung eine Lesung zu veran-stalten. Wir durchsuchten die palästinensische Literatur nach Beispielen für den gewaltlo-sen Widerstand gegenüber der israelischen Besatzungsmacht. Am 2.11.08 begleiteten wir die Ausstellungseröffnung mit einem Infostand. Am 13.11.08 fand unsere Lesung vor der Kulisse der wunderschönen Bilder statt. Der professionelle Oud-Spieler Farhan Sabbagh wertete die Vorstellung zu einem kleinen Kunstereignis auf. Ein aufmerksames Publikum zollte uns in anschließenden Gesprächen Respekt für eine gelungene, aus dem Rahmen fallende Informationsveranstaltung. Auch zu dieser Veranstaltung hatten wir Petitionen vorbereitet für Mohammad al Hashlamon, für die Unterstützung der Bewohner des paläs-tinensischen Dorfes Jayyous, die durch den Verlauf der „Sicherheitsanlage“ von ihren Feldern abgeschnitten sind, und für die medizinische Versorgung herzkranker Kinder aus Gaza, die an einer Ausreise zu fachärztlicher Behandlung gehindert wurden.

6. Beteiligung an der „Gold für Menschenrechte“ Kampagne

Während des Jahres sammelten wir gelegentlich Unterschriften für die China-Aktion „Gold für Menschenrechte“ im Rahmen der Olympischen Spiele. Zu der weltweiten AI-China-Kampagne konnte unsere Gruppe mit über 800 gesammelten Unterschriften für die allgemeine Petition beitragen. Die Petition forderte, dass die chinesischen Behörden an ih-rem Versprechen gemessen werden müssen, die Menschenrechtslage in China bis zur O-lympiade 2008 nachhaltig zu verbessern. Die Vergabe der Spiele darf nicht als Anerken-nung einer repressiven Politik missverstanden werden. Außerdem haben wir mehrmals Unterschriften für den Pekinger Menschenrechtler Hu Jia gesammelt, der sich in chinesi-scher Haft befindet.

7. Kursveranstaltung an einer Volkshochschule

Bei der Kontaktaufnahme mit Berliner Volkshochschulen stellte sich heraus, dass zwar eine grundsätzliche Bereitschaft an einer Zusammenarbeit mit Amnesty International be-steht, aber an das Thema Israel / Besetzte Gebiete mit großer Vorsicht herangegangen wird. Wir konnten jedoch die VHS Treptow-Köpenick nach Vorlage einer Konzepterstel-lung für eine Veranstaltung gewinnen. Leider hatten sich zum Termin im November nur drei Personen angemeldet, so dass die Veranstaltung kurzfristig abgesagt wurde.

8. Algerien

Wir haben uns im Jahr 2008 – koordiniert durch unser langjähriges Mitglied Sibylle Auer – an den Briefaktionen zu Menschenrechtsverletzungen in Algerien beteiligt.

9. Spontane Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit

Auch in 2008 standen unsere Gruppenmitglieder bereit, ganz spontan Aktionen zu organi-sieren, wenn sich eine plötzliche Gelegenheit oder eine politische Notwendigkeit ergab. So sammelten wir zum Barenboim-Konzert mit dem West-Östlichen Divan-Orchester in der Berliner Waldbühne am 28. August 2008 vor Konzertbeginn 135 Unterschriften für die Erteilung von Ausreisegenehmigungen der israelischen Militärverwaltung für Studen-ten aus Gaza, damit diese ihr Studium (meist mit Stipendium) im Ausland aufnehmen konnten.

Am 7.12. organisierten wir im Haus der Kulturen der Welt zur Verleihung der Carl v. Os-sietzky-Medaille an das Bürgerkomitee des palästinensischen Dorfes Bi’ilin und der israe-lischen gewaltfreien Gruppe „Anarchists against the Wall“ einen Informationsstand. Wir baten die Veranstaltungsbesucher um Unterstützung für die kranken Kinder aus Gaza, die Bauern aus Jayyous und die inhaftierten israelischen Kriegsdienstverweigerer.

Am 10.12. haben wir bei der großen AI Aktion am Pariser Platz für den Tag der Men-schenrechte Unterschriften für die Bauern aus Jayyous sowie die inhaftierten israelischen Kriegsdienstverweigerer gesammelt. Am 14.12. beteiligten wir uns an einer Andacht in der „Gedächtniskirche“ aus Anlass des 60. Geburtstages der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“.

Jahresbericht